1. Januar 2017 Keine Kommentare

Die Steuerermäßigung für die Inanspruchnahme von Handwerksleistungen für Renovierungen, Erhaltungs- und Modernisierung-maßnahmen wurde 2009 verdoppelt. Privathaushalte können bis zu 20% des Arbeitslohns einschließlich der Umsatzsteuer steuerlich geltend gemacht werden. Aufwendungen für Materialkosten und Neubaumaßnahmen sind dabei ausgeschlossen.

Die Maximalsumme von 1200€ entspricht einem Arbeitslohn von 6000€. Für 66% der Deutschen ist dies ein Anreiz, Arbeiten von einem Handwerksbetrieb durchführen zu lassen und eine Gewährleistung zu erhalten. Die Zahlung muss auf das Konto des Erbringers der haushaltsnahen Dienstleistung der Handwerkerleistung oder der Pflege- oder Betreuungsleistung erfolgen. Der Bankbeleg gilt als Zahlungsnachweis für das Finanzamt.

Wofür gibt es eine Steueranrechnung?
Begünstigt sind nur Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen. Keine Steuervergünstigung gibt es weiterhin für Neubaumaßnahmen. Die 20-prozentige Steueranrechnung gibt es auch nicht für Waren oder Ersatzteile.

Sind Herstellungskosten begünstigt?
Nach einem Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH v. 13.07.2011, Az.: VI R 61/10) können nun auch Erweiterungs- und Umbaumaßnahmen an einem Gebäude steuerlich geltend gemacht werden. Es wird nicht mehr zwischen Erhaltungsaufwand und Herstellungskosten unterschieden. Da die Rechtslage kompliziert ist und in der Praxis noch  nicht eindeutig angewendet wird, empfiehlt der Zentralverband des Deutschen Handwerks, Arbeitskosten für Erweiterungs- oder Umbaumaßnahmen, wie den Ausbau einer Dachgaube oder die Umwandlung einer Terrasse in einen Wintergarten, steuerlich geltend zu machen. Folgt das Finanzamt dem nicht, sollte Einspruch eingelegt werden – immer in Bezug auf die Rechtsprechung des BFH. Im äußersten Fall kommt es zu einem Klageverfahren.

Wie wird die Steueranrechnung ermittelt?
Die Steueranrechnung gibt es für Handwerkerleistungen, Anfahrtskosten sowie für die auf diese Rechnungsbeträge entfallende Umsatzsteuer. Um Rückfragen des Kunden zu vermeiden, sollte auf der Rechnung vermerkt sein, welche Kosten als Handwerkerleistung nach § 35a Abs. 3 EStG zur Steueranrechnung in Betracht kommen.

Gibt es auch Fälle, bei denen die Steueranrechnung ins Leere läuft?
Das gibt es. Die Steueranrechnung setzt zum einen voraus, dass für das Jahr der Zahlung der Handwerkerrechnung eine Steuererklärung beim Finanzamt eingereicht wird. Die Steueranrechnung ist dabei auf die Höhe der tatsächlichen Steuerschuld begrenzt.

Beispiel: Ein Kunde zahlt 2013 für Handwerkerleistungen 6.000 Euro. Dafür steht ihm eine Steueranrechnung von 1.200 Euro zu. Seine persönliche Steuerschuld vor der Steueranrechnung beträgt jedoch nur 800 Euro. In diesem Fall beträgt auch die Steueranrechnung nur 800 Euro. Der restliche Anrechnungsanspruch fällt unter den Tisch. Ins Leere läuft die Steueranrechnung also, wenn keine Steuererklärung abgegeben wird oder wenn die Steuerschuld vor Anrechnung null Euro beträgt.

Muss die Leistung zwingend „im“ Haushalt stattfinden?
Ja. Baut ein Handwerker beispielsweise die Heiztherme aus, repariert diese im Betrieb und baut diese nach der Reparatur wieder ein, winkt nur für die Kosten, die „im“ Haushalt angefallen sind, eine Steueranrechnung (Fahrtkosten, Ausbau und Einbau – nicht dagegen Reparaturkosten).

Gibt es die Steueranrechnung bei Barzahlung nicht?
Nein. Das Finanzamt gewährt die Steueranrechnung für Handwerkerleistungen tatsächlich nur, wenn der Kunde eine Rechnung sowie einen Bankbeleg vorlegen kann, aus dem sich die unbare Zahlung der Rechnung ergibt.

Weitere Informationen:

Haushaltsnahe Dienstleistungen: Zusätzlich zur Steueranrechnung für Handwerkerleistungen gibt es auch eine Steueranrechnung für haushaltsnahe Dienstleistungen. Angerechnet werden können 20 Prozent der Leistungen, maximal 4.000 Euro pro Jahr (etwa für Gebäudereiniger oder ambulanten Pflegedienst).

Kachelofen: Für den nachträglichen Einbau eines Kachelofens winkt die Steueranrechnung für Handwerkerleistungen, selbst wenn die bisher vorhandene Heizanlage weiterhin genutzt wird (FG Sachsen v. 23.03.2012, Az.: VI R 18/10).

Musterprozess: Beim Bundesfinanzhof läuft derzeit ein Musterprozess zu der Frage, ob auch Erschließungskosten (Anschluss an Trinkwasserversorgung)  außerhalb der Grundstücksgrenze noch als „im“ Haushalt gelten und somit zu einer Steueranrechnung führen können (BFH, Az.: VI R 56/12).

Dichtheitsprüfung: Noch verweigern die Finanzämter die Steueranrechnung für Kosten einer Dichtheitsprüfung einer Abwasseranlage mit Rohrleitungskamera, weil es ihrer Ansicht nach keine Handwerkerleistung, sondern eine Gutachtertätigkeit darstellt. Das Finanzgericht Köln hat aber bereits grünes Licht für die Steueranrechnung gegeben (FG Köln v. 18.10.2012, Az.: 14 K 2159/12). Nun hat der Bundesfinanzhof das letzte Wort.

Förderung: Erhält der Auftraggeber für die Handwerkerleistung durch eine öffentliche Fördermaßnahme zinsverbilligte Darlehen oder steuerfreie Zuschüsse, gibt es nicht obendrein noch eine Steueranrechnung (§ 35a Abs. 3 Satz 2 EStG).